Der Schöne und das Biest

Stell dir vor, es ist Samstagabend. Du warst gerade in einer Disco, in einer Oper oder bei einem unserer Heimspiele. Du gehst durch eine dunkle Gasse, es ist kalt. Der Wind weht dir um die Ohren, so laut, dass du dein eigenes Wort kaum hören kannst. Plötzlich taucht eine Gestalt aus dem Schatten aus, so nah bei dir, dass du kaum reagieren kannst. Schon ist sie weg, deine Geldbörse. Du läufst dem Dieb hinterher, doch er kennt die Gasse besser als du, ist schneller und agiler. Plötzlich erscheint ein zweiter Schatten, am Ende des Durchgangs. Er stoppt den Dieb, ringt ihn mühelos zu Boden und lässt ihn dort liegen, während er dir deine Wertsachen zurückgibt. Danach spricht er mit dunkler Stimme, dass Gotham nun sicherer sei, und entschwindet in die Nacht.

Anders als Batman ist Robin Richter eine reale Figur. Dennoch stellt der Comic-Charakter ein Vorbild für ihn dar, ein selbstentworfenes Tattoo ziert seinen muskulösen Körper. Doch anders als Batman ist Robin bodenständig, bescheiden und ehrgeizig. Der junge BWL-Student arbeitet neben dem Studium noch. Er trainiert mehrmals die Woche bei der BBG und nimmt im Kader von Will Massenburg eine wichtige Rolle ein. Robin ist kein Superheld, aber er arbeitet hart. Er arbeitet konstant. Er arbeitet immer an seinem Spiel und seiner Physis. Doch neben diesem Superhelden hat Robin Richter noch ein anders Vorbild. Eine Identifikationsperson, welche deutlich macht, wie groß die Spanne zwischen dem Robin Richter auf dem Feld und neben dem Feld ist: Seine Mutter. Nicht nur Robin, sondern auch seine fünf Geschwister wurden von ihr Alleine großgezogen. Nach seiner eigenen Aussage ist sie die stärkste Person, die er kennt.

Bevor Robin Richter damit begonnen hat, seinen Körper im Fitnessstudio zu verändern, entdeckte er Basketball als Leidenschaft. In einer Schul-AG erkannte er, wie viel Spaß ihm dieses Spiel bereitet. Mit sieben Jahren war er noch sehr jung, doch der Spaß verließ ihn nie. In seiner Jugend spielte Robin für Brackwede (zu diesem Zeitpunkt in der Regionalliga) und durchlief daraufhin in Werne und Paderborn die Jugendmannschaften. Damals noch etwas schmaler, spielte Robin als Point Guard und war bis zur U20 in Paderborn dafür verantwortlich, den Ball sicher nach vorne zu bringen. Nach seiner Jugendzeit in Paderborn, in welcher er parallel dazu auch in Brackwede im Seniorenbereich aktiv war, spielte er in Bielefeld (damals ProB), ehe er sich das Trikot der BBG Herford überzog. Schon während seiner Jugend hegte Robin Richter jedoch den Wunsch, sich nicht mehr auf dem Spielfeld von anderen herumschubsen zu lassen. Wie er selbst sagt, war er als 17-Jähriger sehr dünn. Diesen Umstand wollte er unbedingt ändern und entschied sich folglich, neben dem leistungsorientierten Basketballtraining zusätzlich Krafttraining in seinen Alltag zu integrieren. Mit Erfolg.

Doch trotz einer herausragenden Physis und einem durchgetakteten Alltag nimmt Robin sich gerne etwas Zeit, um zu zeichnen. Als Ausgleich zum Basketball und dem regelmäßigen Training im Fitnessstudio. Er entwirft eigene Figuren im Comic-Stil und entspannt, während er die letzten Details eines Entwurfs vervollständigt. Jedes Tattoo ist selbstentworfen, jedes Detail von ihm ausgearbeitet. Jeder Muskel von ihm durch hartes Training definiert, jedes bisschen Kondition erarbeitet.

Während des Gesprächs entstand der Eindruck, dass Robin Richter viele Seiten hat, die  sehr verschieden sind. In einem Moment schildert er einen Gamewinner gegen den Abstieg im Dress der BBG. Er war der Held des Moments. Ein paar Augenblicke später spricht er von Yoga und Kunst. Robin vereint all das in sich und erfüllt dabei stets seine eigenen Ansprüche. Er ist beides: Der Schöne. Und das Biest.

 

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